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spw trauert um Peter von Oertzen

Peter von Oertzen - 1990 auf einer Tagung der Juso-Linken in Hannover, Foto: Stephan HoppeAm 16. März 2008 ist unser früherer langjähriger Herausgeber und politische Wegbegleiter Peter von Oertzen im Alter von 83 Jahren verstorben. Peter von Oertzen hat tiefe Spuren in Programmatik und Politik der Linken hinterlassen. Wir haben als Zeitschrift, als politischer Diskussionszusammenhang aber auch vielfach ganz persönlich von seinem kritischen, wissenschaftlich fundierten politischen Denken profitiert. Dankbar erinnern wir uns an viele Anregungen und Gespräche. Seine Beiträge zur Strategie und Programm der Linken werden uns fehlen!

Peter von Oertzen  wurde am 2.9.1924 in Berlin geboren. 1946 schloss sich Peter von Oertzen der SPD an und begann er an der Universität Göttingen das Studium der Philosophie, Geschichte und Soziologie. 1953 promovierte er mit einer Arbeit über „Die soziale Funktion des staatsrechtlichen Positivismus“. 1962 habilitierte er sich und übernahm im Folgejahr die Professur für Politische Wissenschaft an der TU Hannover an.

In der SPD gehörte er zu den Gegnern des „Godesberger Programms“, auf dem Bundesparteitag 1959 legte er mit anderen einen eigenen Entwurf vor. Vonb 1955 bis 1959 und 1967 bis 1986 war Peter von Oertzen Mitglied im niedersächsischen Landtag, wo er nicht nur mit seinen bildungspolitischen Kompetenzen glänzte. Nach der gewonnenen Landtagswahl 1970 wurde er Kultusminister im Kabinett Alfred Kubel (bis 1974). 1970 kandidierte er auch um den Vorsitz des SPD-Bezirks Hannover gegen Egon Franke. Er gewann die Abstimmung mit 149 zu 107 Stimmen. 1979 verzichtete er auf den Landesvorsitz zugunsten Karl Ravens, sein Stellvertreter wurde er dann Ende des Jahres.

Zu seinen politischen Erfolgen zählen vor allem die Veränderungen im Hochschulbereich (Beseitigung der Professoren-Majorität in den Universitätsgremien), erste Versuche im Schulbereich mit der Integrierten Gesamtschule, der Orientierungsstufe und die verstärkte Einführung von Vorschulklassen sind nur einige Belege für seine progressive Reformorientierung.

1973 wurde er Mitglied des SPD-Parteivorstandes und Vorsitzender der SPD-Langzeitprogrammkommission. In der SPD-Kommission entstand unter seiner Federführung der „Orientierungsrahmen ´85“, der dann Ende 1975 auch auf dem Mannheimer Parteitag verabschiedet wurde. Von 1984 an begleitete er die Arbeit der Grundsatzprogramm-Kommission und konnte in der SPD seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen bis zur endgültigen Formulierung und Beschlussfassung 1989 in Berlin durchsetzen. Von dieser programmatischen Arbeit profitierte auch die Zusammenarbeit der Parteilinken in der SPD. 1994 wurde er Miterhausgeber der Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft.

Ebenfalls 1994 gründete er mit vielen Wissenschaftlern die „Loccumer Initiative kritischer Wissenschaftler“, die bis heute existiert, Tagungen in Loccum durchführt und wissenschaftlich-politische Interventionen zu Problemen der Gegenwartsgesellschaft publiziert.